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25. Oktober 2026  (aktualisiert am 25. Oktober 2026)

Die Entwicklung im Baugewerbe während des Sommers 2026: Aufwärtstrend oder Stagnation?

von  hagebau Redaktion | 8 Min. Lesezeit | #Baugewerbe  #Baugenehmigungen  #Baukonjunktur  #Baukosten  #Wohnungsbau 
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Seit 2020 hat die Baubranche unruhige Zeiten und verschiedene Krisen durchgemacht. Bereits 2025 stieg die Zahl der Baugenehmigungen erstmals seit Jahren wieder, und zu Beginn des Jahres 2026 deutete sich eine weitere Stabilisierung an. Wie hat sich die Lage über den Sommer 2026 entwickelt, und womit ist für das kommende Jahr zu rechnen?

Bringt die steigende Zahl der Baugenehmigungen eine Kehrtwende im Bausektor?

Die Anzahl der Baugenehmigungen ist traditionell ein guter Gradmesser für den Bausektor. Sie lässt erkennen, ob die Auftragsbücher in naher Zukunft gut gefüllt sind oder ob eine Rezession droht.

Baustelle eines modernen Bürogebäudes an einem Fluss
Entwicklung der Baugenehmigungen für Wohnungen
Zeitraum Genehmigte Wohnungen Entwicklung / Einordnung
2022–2024 stark rückläufig Rückgang drei Jahre in Folge, besonders bei Wohngebäuden
2024 215.900 Tiefpunkt der Entwicklung
2025 238.500 +10,8 %, erstes Plus seit 2021
1. Halbjahr 2025 109.800 Vergleichswert zum Vorjahr
1. Halbjahr 2026 126.300 +15,1 %, stärkster Zuwachs in einem ersten Halbjahr seit 2016

Diese Zahlen müssen jedoch in Relation gesehen werden. Zum einen bewegt sich die Zahl der Genehmigungen damit weiterhin nur auf dem Niveau des ersten Halbjahres 2011. Zum anderen bedeutet eine Genehmigung noch keinen Baubeginn. 2025 erloschen 35.700 Baugenehmigungen, so viele wie seit 2002 nicht mehr. Der Beginn von baulichen Aktivitäten ist jedoch der wirklich relevante Aspekt für den Bausektor.

Wie entwickeln sich die Kosten im Bausektor?

Business graph mit Pfeil die nach unten sinken
Ein weiterer Punkt, der in den vergangenen Jahren die Bauaktivitäten gebremst hat, waren die steigenden sowie unsicheren Kosten in der Branche.

Sie wurden oftmals durch externe Ereignisse wie den Krieg in der Ukraine, die Konflikte im Nahen Osten oder den blockierten Suezkanal im Jahr 2021 ausgelöst.
Das führte zu einem generellen Preisanstieg in der Baubranche, der sich negativ auf die Auftragszahlen auswirkte.

Die Entwicklung der Baukosten sowie externe Einflüsse auf die Lieferketten sind somit entscheidend für die Konjunktur im heimischen Bausektor.

Zum Jahreswechsel 2025/2026 zeichnete sich zunächst eine Stabilisierung bei den Kosten ab. Die Energiepreise waren rückläufig, auch wenn sie weiterhin auf einem vergleichsweise hohen Niveau lagen, und die weltweiten Lieferketten hatten sich nach Jahren der Krise stabilisiert.

Mit dem Angriff der USA und Israels auf den Iran am 28. Februar 2026 und dem darauffolgenden Krieg wurde diese Entwicklung jedoch schon im Frühjahr gebremst. Der Iran sperrte die Straße von Hormus weitgehend für den internationalen Schiffsverkehr, und auch die Meerenge Bab al-Mandab ist durch die Eskalation im Jemen betroffen. Damit sind wichtige Lieferketten nach Europa bedroht und teilweise unterbrochen. Selbst wenn der Schiffsverkehr nicht beeinträchtigt ist, lassen die stark gestiegenen Versicherungsprämien die Transportkosten steigen.

Frachtschiffe, die den Seeverkehr in der Straße von Hormus blockieren, Tanker und Containerfrachtschiffe sind in einer Luftbild-3D-Darstellung zusammengedrängt
Satellitenansicht der Straße von Hormus mit roten Schiffslinien und einem großen roten X, das eine Blockade, einen maritimen Konflikt oder Handelsstörungen in diesem strategischen globalen Ölengpass symbolisiert
Tankstelle in Deutschland und hohe Preise für den Kraftstoff

Ein weiterer belastender Faktor sind die Treibstoffkosten, die ebenfalls mit dem Konflikt zusammenhängen. Nach Höchstständen im April und August wurde der September 2026 laut ADAC zum teuersten Tankmonat seit Beginn der Aufzeichnungen, mit durchschnittlich rund 2,27 Euro je Liter für Super E10 und rund 2,38 Euro für Diesel. Das belastet vor allem die Baubranche, denn der Transport von schweren und sperrigen Materialien benötigt Treibstoff. Dies wirkt sich am Ende auf die Gesamtbaukosten aus, die somit ebenfalls steigen.

Welche Faktoren hatten 2026 positive Effekte auf das Baugewerbe?

Das Jahr 2026 brachte eine Reihe von Faktoren, die positiv für die gesamte Bauwirtschaft sind. Zu nennen ist zunächst das Sondervermögen für Infrastruktur der Bundesregierung, das zusätzliche Gelder für Investitionen in öffentliche Infrastrukturprojekte bereitstellt. Bemerkbar macht sich dies vor allem im öffentlichen Bau. Damit ist dieser Bereich für einen großen Teil des Aufschwungs im Sektor verantwortlich.

Ein Grund für die Belebung lag zudem in der Stabilisierung der Gesamtwirtschaft zu Jahresbeginn. Die Zinssätze waren nach den Senkungen der Europäischen Zentralbank in den Vorjahren auf einem vergleichsweise niedrigen Niveau stabil. Dies begünstigte Investitionen und erleichterte es privaten Bauherren, ihre Projekte zu realisieren. Für eine Beschleunigung bei den Baugenehmigungen soll zudem der sogenannte Bau-Turbo sorgen, der am 30. Oktober 2025 in Kraft trat. Kern ist der neue § 246e im Baugesetzbuch, ergänzt durch Änderungen in den §§ 31, 34 und 36a. Die bis Ende 2030 befristete Sonderregelung erlaubt es, mit Zustimmung der Gemeinde für den Wohnungsbau von planungsrechtlichen Vorgaben abzuweichen, auch ohne einen Bebauungsplan aufzustellen oder zu ändern. Gerade dieses Verfahren hat in den vergangenen Jahren Bauprojekte oft verzögert oder sogar komplett verhindert. Nicht selten vergingen mehrere Jahre, bis eine Gemeinde einen Bebauungsplan für einen Bereich erstellt hatte.

Ist mit einem langanhaltenden Aufschwung im Bausektor zu rechnen?

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Ob es sich um eine kurze Verbesserung oder einen langanhaltenden Aufschwung in der Baubranche handelt, hängt erneut von globalen und gesamtwirtschaftlichen Entwicklungen ab.

Zum Ende des Jahres 2026 blicken Experten vor allem auf den Iran-Krieg und die Gasversorgung in Europa. Diese beiden Faktoren haben das Potenzial, vor allem den Winter 2026 sowie die erste Hälfte des Jahres 2027 stark zu prägen.

In Deutschland beeinflussen diese Ereignisse vor allem die Energiekosten. Diese wirken sich wiederum einerseits auf die Baubranche aus, andererseits auch auf die gesamtwirtschaftliche Lage.

Gerade in der jüngeren Vergangenheit hat sich gezeigt, dass hohe Energiepreise die Wirtschaft allgemein ausbremsen und für Verunsicherung bei Investitionen sorgen.

Sollten die Energiepreise also weiterhin steigen oder auf einem hohen Niveau verharren, dann ist es wahrscheinlich, dass sich die Belebung im Bausektor wieder abkühlt. Entscheidend sind zudem die Entwicklungen an den Finanzmärkten. Steigende Zinsen bremsen Bauprojekte, da die Finanzierung oft unrentabel oder unmöglich wird. Wegen der gestiegenen Inflation hat die Europäische Zentralbank ihre Leitzinsen 2026 bereits zweimal angehoben: im Juni und im September um jeweils 0,25 Prozentpunkte. Seit dem 16. September 2026 liegt der Einlagesatz bei 2,50 Prozent, der Hauptrefinanzierungssatz bei 2,65 Prozent. Damit sind die Leitzinsen zwar noch weit entfernt von den Höchstständen der jüngeren Vergangenheit, doch weitere Anhebungen sind nicht ausgeschlossen, und jeder Zinsanstieg bremst Investitionen.

Die Politik verfügt ebenfalls über Möglichkeiten der Steuerung. Aus diesem Grund fordert der Zentralverband Deutsches Baugewerbe, dass die Regierung möglichst schnell den vereinfachten Gebäudetyp E etabliert. Dieser soll durch vereinfachte Bauvorschriften die Kosten senken und die Hürden in der Bauplanung reduzieren. Ebenso könnten weitere Förderprogramme und ausreichend bereitgestellte Mittel über die Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) für einen Aufschwung im Bausektor sorgen.

Es gibt aber auch positive Anzeichen für das Jahr 2027. Durch die gestiegene Zahl der Baugenehmigungen sowie die staatlichen Investitionen in die Infrastruktur ist damit zu rechnen, dass im Frühjahr 2027 verstärkt Bauprojekte starten. Das DIW erwartet für 2027 ein Wachstum des Bauvolumens um 3,4 Prozent. Damit sind Neuaufträge vorerst gesichert.

Hagebauprofi-Logo in Rot und Grün mit stilisiertem Sechseck.

hagebau Redaktion

Der hagebau Fachhandel ist unter dem Dach der hagebau Handelsgesellschaft für Baustoffe mbH & Co. KG führende Kooperation im Baustoff-, Holz- und Fliesenhandel. Die zwölf Spezialisierungssysteme und das E-Commerce Team veröffentlichen die redaktionellen Inhalte.

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